Das Problem mit fertigen Lösungen
Persönlichkeitstests gibt es viele — als SaaS-Angebote, als PDF-Formulare, als veraltete PHP-Anwendungen aus den 2010ern. Was ich für den Einsatz im Coaching brauche, ist aber etwas Bestimmtes: ein sauberes, ruhiges Interface, das in einem ersten Gespräch mit einer Führungskraft nicht durch Werbebanner, erzwungene Registrierungen oder veraltetes Design ablenkt.
Gleichzeitig war mir wichtig, dass die Tests selbst — die Fragen, die Auswertungslogik, die wissenschaftliche Grundlage — unverändert bleiben. Es geht nicht darum, neue Tests zu erfinden, sondern darum, bewährte Methoden in ein zeitgemäßes Gewand zu bringen.
Drei Tools, ein Ansatz
Alle drei Anwendungen entstanden nach dem gleichen Muster: Ich habe bestehende Open-Source-Projekte auf GitHub gefunden, die die jeweilige Testmethodik bereits korrekt implementiert hatten — aber mit Oberflächen, die aus einer anderen Zeit stammen. Claude Code hat die Anwendungen dann von Grund auf neu gestaltet: neues Frontend, neue Ergebnisdarstellung, neue Struktur. Die Logik darunter blieb unangetastet.
Der wissenschaftlich am besten validierte Persönlichkeitstest. Misst fünf Dimensionen: Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit, emotionale Stabilität.
big5.i.graziani-it.deAnalysiert Führungsstile und -präferenzen. Gibt Aufschluss darüber, wie jemand Entscheidungen trifft, Teams führt und auf Druck reagiert — wertvoller Gesprächseinstieg im Coaching.
leadership.i.graziani-it.deEines der bekanntesten Persönlichkeitsmodelle. 16 Typen, basierend auf vier Dimensionen. Gesprächsöffner, der viele Führungskräfte bereits kennen und schätzen.
mbti.i.graziani-it.deWas Claude Code verändert hat
Die Ausgangsprojekte auf GitHub hatten eines gemeinsam: Sie funktionierten, aber sie sahen nicht so aus. Veraltete Bootstrap-Layouts, fehlende Responsive-Unterstützung, keine strukturierte Ergebnisübersicht. Das reicht für einen Privatgebrauch, aber nicht für ein Coaching-Gespräch.
Mit Claude Code habe ich jede Anwendung schrittweise überarbeitet:
- Interface — komplettes Redesign auf Basis von SvelteKit; ruhig, strukturiert, kein visuelles Rauschen
- Ergebnisübersicht — klare Auswertung mit Visualisierungen, die sofort ein persönliches Bild vermitteln
- Datenschutz by Design — keine Server-seitige Datenspeicherung; die Ergebnisse existieren nur im Browser
- Deployment — alle drei Apps laufen als Docker-Container auf meinem Homelab-Server
Wie bei allen meinen Homelab-Projekten habe ich auch hier keinen einzigen Buchstaben Code selbst getippt. Ich habe beschrieben, was ich brauche — Claude Code hat implementiert. Die Methodik der Tests war von Anfang an außer Diskussion: Die Fragen und Auswertungsalgorithmen blieben zu 100 % unverändert. Verändert wurde ausschließlich alles, was der Nutzer sieht.
Einsatz im Führungskräfte-Coaching
Die Tests setze ich typischerweise in der Vorbereitung oder in frühen Gesprächen ein. Nicht als Urteil, sondern als Gesprächsöffner. Ein Big-Five-Profil, das jemand selbst ausgefüllt hat, gibt sofort etwas zum Gespräch her — was hat überrascht, was war erwartet, wo gibt es Reibungspunkte zur Selbstwahrnehmung?
Gelegentlich sind solche Tests auch die Grundlage für eine längere Zusammenarbeit: Wenn ein Profil zeigt, wo jemand steht — und das Gespräch danach zeigt, wo jemand hinwill — dann hat man einen konkreten Ausgangspunkt für Coaching-Arbeit.
Alle drei Anwendungen speichern keine Daten auf dem Server. Die Auswertung läuft vollständig im Browser. Das Ergebnis kann als PDF heruntergeladen werden — wer das nicht tut, hat nach dem Schließen des Tabs nichts mehr in der Hand. Das ist kein Bug, sondern eine bewusste Design-Entscheidung: Keine Daten, kein Risiko.